Beschreibung
Das Dorf Gardanne – die Leinwand, die als Feindvermögen beschlagnahmt wurde
Die Häuser steigen stufenweise den Hügel hinauf, eines über dem anderen: ockerfarbene und rötliche Wände, flache Dächer, dazwischen schmale Schatten. Oben steht ein Kirchturm, der einzige senkrechte Akzent der ganzen oberen Hälfte. Unten zieht sich ein Band grüner Bäume hin, dahinter blassblaue Hügel. Das handgemalte Gemälde auf Leinwand gibt diese Arbeit Cézannes von 1885 bis 1886 wieder, die im Original 92,1 × 73,2 Zentimeter misst und im Brooklyn Museum of Art unter der Inventarnummer 23.105 verwahrt wird.
Als Feindvermögen beschlagnahmt
In der Provenienz dieser Leinwand steht ein Satz, den man bei einem Werk Cézannes selten liest. Nach dem deutschen Sammler Gottlieb Friedrich Reber kam das Werk an Dr. Hans Wendland in Berlin und Paris, und neben seinem Namen vermerkt der Eintrag: als Feindvermögen beschlagnahmt. Es folgt die Versteigerung: Séquestre Wendland im Pariser Hôtel Drouot am 24. Februar 1922, wo die Leinwand die Nummer 209 trug. Was geschah und warum, erklärt der Eintrag nicht weiter als hier wiedergegeben, und wir tragen keine Erklärung nach – genannt sind Name, Vermerk, Datum und Nummer.
Von Vollard nach Brooklyn
Der erste bekannte Besitzer war der Händler Ambroise Vollard in Paris. Am 7. Mai 1913 kaufte die Leinwand Gottlieb Friedrich Reber in Barmen, nach ihm hatte sie Hans Wendland, und nach der Auktion von 1922 die Galerie Durand-Ruel in Paris und New York. Von Durand-Ruel gelangte sie an das Brooklyn Museum of Art, wo sie bis heute ist. Der Weg führt also aus einem Pariser Laden in eine deutsche Sammlung, durch eine Beschlagnahme und eine Versteigerung in Paris und über den Ozean in ein amerikanisches Museum.
Unter dem Namen einer anderen Stadt ausgestellt
Der Werkkatalog führt für diese Leinwand neun Titel, darunter zwei, die nicht Gardanne nennen, sondern einen ganz anderen Ort: Avignon und Paysage de l’Estaque. Der erste ist nicht nur im Katalog verzeichnet, sondern wurde auch verwendet: Im Mai und Juni 1913 war das Werk in Darmstadt in der Ausstellung der Sammlung Reber als Nummer 16 zu sehen, und zwar genau unter dem Titel Avignon. Erst 1934 in Philadelphia finden wir es als The Village of Gardanne, verliehen vom Brooklyn Museum. Der Eintrag bewahrt also die Erinnerung daran, dass das Dorf eine Zeitlang nicht erkannt wurde.
Häuser als Blöcke
Das Dorf ist ohne Einzelheiten gemalt: keine Fenster im eigentlichen Sinn, keine Türen, keine Menschen. Jedes Haus besteht aus einigen flachen Flächen in Ocker, Rosa oder Grau, eine neben die andere gesetzt, und gerade weil sie nur dünne dunkle Linien trennen, liest sich der ganze Hügel als gestapelte Masse und nicht als eine Menge von Gebäuden. Der Kirchturm oben ist das einzige Element, das dieses Stapeln unterbricht. Das untere Band der Bäume ist dagegen weich und unruhig, das obere der Hügel so blass, dass es fast mit dem Himmel verschmilzt – das Dorf bleibt das einzige Feste auf der Leinwand.
Darmstadt, Philadelphia, Toledo
Neben der Darmstädter Ausstellung von 1913 war die Leinwand im November und Dezember 1934 im Pennsylvania Museum of Art in Philadelphia als Nummer 15 und im November und Dezember 1936 im Toledo Museum of Art in Ohio in der Ausstellung Cézanne and Gauguin als Nummer 21; beide Male verlieh sie das Brooklyn Museum. 1937 war sie in Portland und danach in San Francisco in der Ausstellung Paul Cézanne: Exhibition of Paintings, Water-colors, Drawings and Prints. In den amerikanischen dreißiger Jahren war diese Leinwand also häufig unterwegs.
Was Vollard neben die Nummer 3877 schrieb
Die Beschreibung des Händlers hat einen ungewöhnlich erzählenden Ton: huile; tout un petit village avec des maisons rouges et des arbres, au loin on aperçoit la montagne – Öl; ein ganzes kleines Dorf mit roten Häusern und Bäumen, in der Ferne erblickt man den Berg. Daneben stehen das Maß 92 × 73 Zentimeter und der Preis von 200 Franc. Vollard beschrieb also auch das, was am schwersten zu sehen ist: die blassen Hügel im Hintergrund. Der Katalog nennt unter den Motiven die Häuser und den Kirchturm, und das sind genau die zwei Elemente, aus denen das Dorf besteht.
Eine hochformatige Dorfansicht in warmen Ockertönen behauptet sich gut in einem Raum mit weißer oder sandfarbener Wand, wo die Farbe der Häuser zur Geltung kommt. Wir malen sie in fünfzehn Formaten, von 40 × 50 bis 144 × 180 Zentimetern, Zwischenmaße spannen wir auf einen Keilrahmen nach Maß, und wie sie an der Wand wirkt, zeigt vorab unsere 3D-Anwendung. Aus derselben Landschaft stammen auch Der Golf von Marseille, von L’Estaque aus gesehen, Der rote Felsen und Der Berg Sainte-Victoire, von Bibémus aus gesehen.
- Motiv: Das Dorf Gardanne, Paul Cézanne, 1885-1886, Brooklyn Museum of Art
- Technik: handgemaltes Gemälde, Öl auf Leinwand, Reproduktion
- Größen: 15 Formate, auf Wunsch auch Sondergröße nach Maß
- Wissenswertes: 1913 wurde die Leinwand in Darmstadt unter dem Titel Avignon ausgestellt – unter dem Namen eines anderen Ortes









































