
Pierre-Auguste Renoir: der Maler des Lichts, der Haut und des Sonntagnachmittags
Unter den Impressionisten ist Pierre-Auguste Renoir derjenige, der die Landschaft am wenigsten um ihrer selbst willen gemalt hat. Ihn interessierten Menschen — Tanzende, Ruderer, Kinder, Frauen am Fenster — und das Licht, das auf sie fällt. Deshalb sind seine Werke auch bei Betrachtern beliebt geblieben, die sich für Kunstgeschichte sonst nicht erwärmen: Man steht davor wie vor einer Szene, die man selbst schon erlebt hat. Diese Seite verfolgt Renoirs Weg von der Porzellanwerkstatt bis zu den späten Leinwänden in Südfrankreich und erklärt, woran seine Malweise zu erkennen ist — auch deshalb, weil ein handgemaltes Leinwandgemälde nach Renoir eine andere Herangehensweise verlangt als nach fast jedem anderen Maler seiner Zeit.
Limoges 1841: vom Porzellan zur Leinwand
Renoir wurde 1841 in Limoges geboren, einer Stadt, die damals gleichbedeutend mit Porzellan war. Die Familie zog bald nach Paris, wo der Junge als Jugendlicher in einer Porzellanmanufaktur zu arbeiten begann und Geschirr bemalte. Das war keine bloße Handwerksepisode. Die Arbeit auf Porzellan verlangt einen dünnen, schnellen Farbauftrag auf einem glatten, nicht saugenden Grund: Die Farbe darf nicht pastos werden, der Strich lässt sich nicht korrigieren. Genau diese Gewohnheit des dünnen, lasierenden Auftrags bleibt Renoir bis zuletzt erhalten und unterscheidet seine Leinwände von den dicht gekneteten Oberflächen mancher Zeitgenossen.
Das Atelier Gleyre und ein Sommer an der Seine
Anfang der 1860er Jahre trat Renoir in das Atelier von Charles Gleyre ein, wo er Claude Monet, Alfred Sisley und Frédéric Bazille kennenlernte. Entscheidend wurde ein Sommer am Fluss: Renoir und Monet malten nebeneinander im Badelokal La Grenouillère an der Seine und versuchten, das Wasser als Geflecht aus Reflexen statt als geschlossene Fläche zu fassen. Aus diesen kleinen, rasch gemalten Leinwänden ist der Impressionismus hervorgegangen — nicht als Programm, sondern als praktische Lösung für die Frage, wie sich etwas malen lässt, das sich ununterbrochen bewegt.
1874: die erste Ausstellung und ein Name, der als Spott gemeint war
1874 richtete eine Gruppe von Malern, die des Wartens auf den offiziellen Salon überdrüssig war, eine eigene Ausstellung aus. Die Kritik reagierte spöttisch, und aus diesem Spott entstand der Name, den die Künstler später selbst übernahmen. Renoir beteiligte sich an diesen Ausstellungen, hielt aber immer wieder Abstand zur Gruppe: Offizielle Anerkennung und Porträtaufträge wünschte er sich offener als mancher Kollege — was ihm den Vorwurf der Gefälligkeit eintrug und ihm zugleich das Überleben sicherte.
Tanz im Moulin de la Galette: ein Pariser Sonntag
1876 entstand eines der bekanntesten französischen Gemälde des 19. Jahrhunderts: die Szene eines sonntäglichen Tanzvergnügens auf dem Montmartre, heute im Musée d’Orsay in Paris (Inv. RF 2739). Renoir malte sie an Ort und Stelle, unter Bäumen, wo die Sonne durch das Laub in unregelmäßigen, wandernden Flecken auf Gesichter und Kleider fällt. Statt diese Flecken zu glätten, ließ er sie als Farbflecke stehen — bläulich und violett im Schatten, warm im Licht. Genau dadurch wirkt es, als bewege sich die Menge tatsächlich. Als Gemäldereproduktion finden Sie dieses Werk bei uns als handgemalten Tanz im Moulin de la Galette.
Das Frühstück der Ruderer
Zwischen 1880 und 1881 malte Renoir Das Frühstück der Ruderer, heute in der Phillips Collection in Washington (Inv. 1637). Auf der Terrasse eines Restaurants an der Seine sitzt eine Gesellschaft aus Freunden, Modellen und Förderern — eine Szene, die zugleich Gruppenporträt und Stillleben mit Glas, Früchten und weißem Tischtuch ist. Das Werk gilt als Höhepunkt von Renoirs impressionistischer Phase und blieb zugleich seine letzte große Szene dieser Art. Als Ölgemälde-Reproduktion gehört es zu den anspruchsvollsten Motiven überhaupt, weil der Maler eine ganze Gesellschaft bewältigen und dabei die Leichtigkeit des Ganzen bewahren muss: Das Frühstück der Ruderer als handgemaltes Ölgemälde.
Italien und die „trockene Periode“
Zu Beginn der 1880er Jahre reiste Renoir nach Italien. Raffael und die römische Wandmalerei zeigten ihm etwas, das dem Impressionismus fehlte: eine feste, klare Zeichnung und eine Form, die sich im Licht nicht auflöst. Nach der Rückkehr änderte er für einige Jahre seinen Stil — die Konturen wurden schärfer, die Oberflächen kühler, die Kompositionen planvoller. Er selbst war mit dieser Phase unzufrieden und beschrieb sie später als Sackgasse; ohne sie gäbe es den späten Renoir jedoch nicht, denn aus ihr nahm er ein Gefühl für Volumen mit, das er anschließend wieder mit Farbe erwärmte. In dieselben Jahre fallen zwei Reisen nach Algerien, 1881 und 1882, die seine Palette spürbar aufhellten.
Cagnes-sur-Mer: die späten Jahre
Seine letzten Jahre verbrachte Renoir in Südfrankreich, in Cagnes-sur-Mer, wo er 1919 starb. Rheumatische Beschwerden lähmten zunehmend seine Hände, sodass er langsamer und mit verändertem Pinselgriff arbeitete — aufgehört hat er nicht. Die späten Leinwände sind weicher, rötlicher und voller, mit Körpern, die fast mit der umgebenden Landschaft zu verschmelzen scheinen. Gerade diese Werke wurden lange am wenigsten geschätzt und gehören heute zu den meistausgestellten.
Durand-Ruel und der Weg der Gemälde nach Amerika
Renoirs wichtigster Verbündeter war kein Kritiker, sondern ein Händler. Paul Durand-Ruel kaufte die Impressionisten, als der Pariser Salon sie noch ablehnte, und nahm ihnen oft ganze Werkgruppen ab, was den Malern das Überleben überhaupt erst ermöglichte. 1886 brachte er eine große Ausstellung mit Werken der Pariser Impressionisten nach New York und öffnete damit den amerikanischen Markt, der dieser Malerei deutlich neugieriger begegnete als der französische. Die Folgen sind bis heute sichtbar: Ein großer Teil von Renoirs Werk hängt nicht in Frankreich, sondern in amerikanischen Sammlungen. Die weltweit größte Sammlung stellte Albert C. Barnes zusammen — die Barnes Foundation in Philadelphia bewahrt rund 180 Renoir-Gemälde, wobei die Angaben zwischen 179 und 181 schwanken, also weit mehr als jedes europäische Museum.
Motive, die bei Renoir wiederkehren
Renoirs Werk lässt sich als eine Reihe wiederkehrender Motivfamilien lesen. Erstens Szenen des geselligen Lebens: Tanz, Frühstück, Flussterrasse, Theaterloge. Zweitens Porträts, häufig Kinder und junge Frauen, ohne offizielle Pose und ohne Pathos — sie brachten die Aufträge ein, die alles andere finanzierten. Drittens die Badenden, ein Thema, das ihn von den frühen Jahren bis zu den letzten Leinwänden begleitete. Viertens Blumenstillleben und Gärten, die ihm zugleich als Farbübung ohne Auftraggeber dienten. Fünftens Landschaften — die Seine bei Chatou, die algerischen Reisen, später die Olivenhaine des Südens. Eng damit verbunden ist das Porträt des malenden Freundes: Claude Monet beim Malen in seinem Garten in Argenteuil zeigt den Kollegen bei der Arbeit im Freien. Für die Auswahl einer Reproduktion ist diese Einteilung brauchbarer als eine Titelliste: Eine Tanzszene trägt einen Raum anders als ein ruhiges Blumenstillleben, und beides ist bei Renoir gleichermaßen typisch.
Wie Renoir tatsächlich malte
Renoirs Malweise ist dünn, nicht dick. Er trug die Farbe in lasierenden, ineinander verwobenen Schichten auf, oft nass in nass, sodass die Ränder der Farbflächen verschmelzen und eine Kontur kaum noch vorhanden ist. Schatten malte er farbig — blau, violett, grün — und nicht mit Schwarz. Das Ergebnis ist eine Oberfläche, die aus der Nähe in einzelne Striche zerfällt und sich aus zwei Metern Entfernung zu Haut, Stoff und Laub zusammensetzt. Für einen Maler, der ein Gemälde auf Leinwand nach Renoir ausführt, liegt hier die eigentliche Schwierigkeit: Der Strich muss sichtbar bleiben, das Ganze weich.
Eben deshalb zählt Renoir zu den schwierigsten Malern für eine Reproduktion. Bei einem Motiv mit kräftiger Kontur lässt sich ein Fehler über die Zeichnung zurückholen; bei Renoir gibt es keine Zeichnung, die das Ganze zusammenhält — Gesicht, Stoff und Laub entstehen ausschließlich aus den Verhältnissen zwischen den Farbstrichen. Verschmelzen die Striche zu stark, wird die Fläche stumpf; geraten sie zu hart, zerfällt die Szene in einzelne Flecken. Deshalb dauert bei unseren Renoir-Reproduktionen das letzte Drittel der Arbeit am längsten, wenn Schatten und beleuchtete Partien aufeinander abgestimmt werden und die Haut jene warme Transparenz erhält, an der man den Maler erkennt. Das ist auch der Grund, warum handgemaltes Öl und Druck bei diesem Maler nicht vergleichbar sind: Ein Druck gibt das Aussehen des Strichs wieder, nicht seinen Auftrag.
Handgemalte Renoir-Reproduktionen
In unserem Angebot ist Renoir mit einer Auswahl seiner bekanntesten Motive vertreten, die sämtlich in Museumsqualität von Hand mit Ölfarben auf Leinwand gemalt werden — auf Bestellung und in der von Ihnen gewählten Größe. Ein Druck ist das ausdrücklich nie. Die vollständige Auswahl finden Sie in unserer Renoir-Galerie mit handgemalten Leinwandgemälden; die einzelnen Motive sind in mehreren Seitenverhältnissen und Formaten erhältlich, jeweils auf einem stabilen Keilrahmen aufgezogen.
Häufige Fragen zu Pierre-Auguste Renoir
Wo hängen die bekanntesten Gemälde von Renoir heute?
Die größte Sammlung von Renoir-Werken besitzt die Barnes Foundation mit rund 180 Gemälden. In Europa ist vor allem das Musée d’Orsay zu nennen, wo unter anderem Tanz im Moulin de la Galette hängt (Inv. RF 2739). Das Frühstück der Ruderer befindet sich in der Phillips Collection (Inv. 1637).
Hat Renoir pointillistisch gemalt?
Nein. Der Pointillismus ist die Methode von Georges Seurat und Paul Signac, die die Farbe in getrennten Punkten auftragen. Renoir malt mit dünnen, ineinandergreifenden Strichen, die miteinander verschmelzen — das entgegengesetzte Verfahren.
Verwendete Renoir Spachtel und dicken Farbauftrag?
Nein. Ein dicker, pastoser Auftrag mit dem Spachtel ist für andere Maler kennzeichnend. Renoirs Oberfläche ist dünn und lasierend, was vermutlich auch mit seiner frühen Arbeit auf Porzellan zusammenhängt.
Wann entstand Das Frühstück der Ruderer?
Zwischen 1880 und 1881. Die Phillips Collection datiert das Werk auf diese Spanne, weshalb auch wir 1880–1881 angeben und nicht eine einzelne Jahreszahl.
Warum änderte sich Renoirs Stil nach 1881?
Nach der Italienreise, auf der er Raffael und die römische Wandmalerei sah, übernahm er für einige Jahre eine schärfere Zeichnung und eine klarere Form. Er selbst beurteilte diese Phase kritisch, doch sie gab ihm ein Gefühl für Volumen, das er später mit weicherer Farbe verband.
Wie entsteht eine handgemalte Reproduktion eines Renoir-Gemäldes?
Ein Maler führt das Werk in Ölfarbe auf Leinwand aus, in der gewählten Größe und im gewählten Seitenverhältnis, unter Berücksichtigung der originalen Technik aus dünnen, ineinander verwobenen Schichten und farbigen Schatten. Weil es sich um Handarbeit handelt, bleibt jede Reproduktion ein Einzelstück — das ist der Unterschied zum Druck.
