Wie Arcimboldo einen Kopf zusammensetzt

Giuseppe Arcimboldo - Gemüseporträt (Der Gemüsehändler) - handgemaltes Kunstgemälde - Öl auf Leinwand

Aus einigen Schritten Entfernung ist es ein Kopf im Profil. Tritt man näher, zerfällt der Kopf in Rettich, Zwiebel, Pilz und Kastanie, und man steht plötzlich vor einem Stillleben. Dieser Wechsel ist kein Nebeneffekt, sondern der eigentliche Gegenstand von Arcimboldos Malerei. Dieser Beitrag zeigt an vier Werken, wie so ein Kopf gebaut ist und worauf man aus der Nähe achten kann.

Ein Kopf, aus Dingen zusammengesetzt

Das Verfahren liegt beim Gemüseporträt, dem Gemüsehändler, offen zutage. Eine flache Schale mit Wurzelgemüse sitzt dem Mann als Mütze auf dem Kopf. Der Kragen darunter besteht aus Rettichen, die wie eine Halskrause nach außen stehen. Wange und Kinn sind Zwiebeln und Pilze, das Auge eine Kastanie im geöffneten Fruchtbecher.

Wichtig ist, dass nichts verformt wird. Kein Gemüse wird zurechtgebogen, damit es einer Wange ähnlicher sähe. Jedes Stück bleibt genau das, was es ist, und trotzdem ergibt die Anordnung ein Gesicht. Die Ähnlichkeit entsteht allein aus Lage, Licht und Umriss – deshalb hält der Kopf auf Abstand zusammen und zerfällt aus der Nähe wieder in seine Zutaten.

Adam: ein Bart aus ineinandergreifenden Körpern

Adam zeigt einen alten Mann im vollen Profil nach links. Aus der Nähe wird sichtbar, dass Stirn, Wange, Haar und Bart nicht als Haut und Haar gemalt sind, sondern als eine Menge kleiner, ineinandergreifender Kinderkörper. Arme und Rücken übernehmen die Rolle von Strähnen, ein gekrümmter Rücken wird zur Braue, verschränkte Glieder werden zur Bartlocke.

Wo dieses Werk heute hängt, sagt unsere Aufzeichnung nicht, und wir behaupten es auch nicht. Was sich beschreiben lässt, ist das, was auf der Leinwand zu sehen ist – und das genügt, denn hier liegt die ganze Erfindung im Detail.

Wasser und Feuer: Koralle, Krake, Feuerstein

Wasser entstand im Jahr 1566, misst im Original 67 x 52 cm, ist Öl auf Leinwand, und das Original hängt im Kunsthistorischen Museum in Wien. Der Kopf ist ganz aus Meerestieren gefügt: eine Koralle sitzt als Krone obenauf, ein Kraken bildet die Wange, Rochen, Muscheln und ein Hummer setzen Hals und Schulter zusammen. Die Perlenkette am Hals ist das einzige Stück, das nicht aus dem Wasser stammt.

Feuer stammt aus demselben Jahr, misst 67 x 51 cm und hängt ebenfalls im Kunsthistorischen Museum in Wien; anders als Wasser ist es Öl auf Holz gemalt. Der Kopf besteht aus Feuerstein und Stahl, Kerzen, Dochten, Öllampen und einem Bündel Gewehrläufe, das die Brust bildet. Die Flamme selbst wird zum Haar. Beide Werke gehören zum Zyklus der Vier Elemente, den wir in einem eigenen Beitrag über die beiden Vierergruppen beschreiben.

Gemälde, die man umdrehen kann

Einige dieser Köpfe funktionieren in beide Richtungen. Der Gemüsehändler ist der Fall, den man dafür gern zitiert: aufrecht gehängt sieht man eine Schale mit Gemüse, ein ruhiges Küchenstück. Dreht man das Werk um, wird aus der Schale eine Mütze, aus den Rettichen ein Kragen, und ein Gesicht schaut den Betrachter an.

Deshalb wird der Gemüsehändler mit der Schale nach oben aufbewahrt und gezeigt: das ist die Lage, in der er als Stillleben lesbar ist, und der Kopf ist die Überraschung, die erst beim Umdrehen erscheint. Wer das Werk zu Hause hängt, entscheidet damit auch, welche der beiden Lesarten zuerst sichtbar ist.

Am Hof gelesen als Witz

Arcimboldo malte diese Köpfe nicht als Kuriosität für sich, sondern für einen Hof, der genau solche Doppeldeutigkeiten schätzte. Im Jahr 1562 folgte er einer Einladung Kaiser Ferdinands I. nach Wien und Prag und blieb dort im Dienst, später bei Maximilian II. und Rudolf II. Ein Kopf aus Feldfrüchten war dort zugleich ein Kompliment: Er sagte, dass unter diesem Herrscher die Ernte gerät und die Elemente geordnet sind.

Das Doppelgesicht war also Scherz und Huldigung in einem, und beides wurde verstanden. Rudolf II. ließ sich später selbst als Vertumnus malen, als römischen Gott der Jahreszeiten, ganz aus Früchten und Getreide gefügt. Nach dem Tod des Malers geriet diese Erfindung in Vergessenheit, bis die Surrealisten sie im zwanzigsten Jahrhundert wiederentdeckten. Mehr über sein Leben steht im Beitrag über Giuseppe Arcimboldo.

Warum Handarbeit beim Nahsehen belohnt

Ein Werk, das aus der Nähe etwas anderes zeigt als aus der Ferne, verlangt vom Betrachter, dass er nah herangeht. Genau dort entscheidet sich, ob die Oberfläche etwas hergibt. Auf einem gedruckten Blatt trifft man beim Nähertreten auf ein Raster, das mit dem Gemüse nichts zu tun hat. Auf einer von Hand gemalten Leinwand trifft man auf Farbe, die aufsteht, auf den Rand eines Pinselzugs, auf das Licht, das sich in der Schicht fängt.

Jedes Kunstgemälde bei uns entsteht in Öl auf Leinwand, Strich für Strich und auf Bestellung. Bei einem Werk, dessen ganze Pointe im Nahsehen liegt, ist das kein Detail am Rande, sondern der Grund, warum der Scherz überhaupt funktioniert.

Den Rahmen wählen Sie auf der Seite jedes Werkes in 3D: Sie sehen die gewählte Leiste in Echtzeit an genau diesem Werk, und diese Ansicht zeigt den Rahmen und sonst nichts. Wie das Werk in Ihrem eigenen Raum wirkt, ist ein gesonderter Dienst – die Visualisierung des Gemäldes an der Wand führen wir eigens aus. Wohin ein solcher Kopf im Haus gehört, steht im Beitrag über Küche und Esszimmer.

Alle Werke des Malers finden Sie in der Galerie Giuseppe Arcimboldo.