Gemälde für Küche und Esszimmer: warum ein Arcimboldo dort funktioniert

Giuseppe Arcimboldo - Der Bibliothekar - Kunstgemälde auf Leinwand - handgemalte Reproduktion, gerahmt an der Wand eines Wohnraums

Die Frage kommt fast immer in derselben Form: an der Wand im Esszimmer fehlt etwas, und was dort hängt, soll weder Dekoration von der Stange sein noch nach Galerie aussehen. Ein Kunstgemälde von Arcimboldo ist für genau diesen Ort gebaut, und der Grund ist banaler, als man denkt.

Das Motiv ist das Essen selbst

Ein zusammengesetzter Kopf von Arcimboldo besteht aus Obst, Gemüse, Getreide, Wurzelwerk, Fisch. Es gibt kein Motiv, das in einer Küche weniger erklärungsbedürftig ist. Was an der Wand hängt, antwortet auf das, was auf dem Tisch steht – ohne Stillleben-Kitsch, weil die Früchte hier keine Schale füllen, sondern ein Gesicht bauen.

In einem Restaurant oder einer Weinstube arbeitet dasselbe Motiv als Gesprächsanlass. Der Gast sieht zuerst ein Porträt, entdeckt dann die Birne als Wange, und hat für die Wartezeit etwas zu tun.

Höhe und Maß über Tisch oder Arbeitsplatte

Drei Faustregeln, die sich in der Praxis halten:

  • Freie Wand: die Mitte des Werkes auf etwa 150 cm über dem Boden – Augenhöhe im Stehen.
  • Über Esstisch oder Sideboard: nicht nach Augenhöhe rechnen, sondern nach dem Möbel. 25 bis 30 cm Abstand zwischen Möbeloberkante und Rahmenunterkante. Bei einem Tisch auf 75 cm liegt die Rahmenunterkante also bei rund 105 cm.
  • Über einer Arbeitsplatte (meist 90 cm) eher 40 cm Abstand lassen, damit der Rahmen aus der Arbeitszone bleibt.

Zur Breite: das Werk – oder die Gruppe – etwa zwei Drittel so breit wie das Möbel darunter. Ein Sideboard von 180 cm trägt also gut etwa 120 cm Malerei, als ein Stück oder als Reihe.

Nah und fern, im selben Raum

Ein Esszimmer ist der seltene Ort, an dem beide Leseweisen im Alltag vorkommen. Wer eintritt, steht drei bis vier Meter entfernt und sieht ein Gesicht im Profil. Wer sitzt, ist anderthalb Meter entfernt und sieht Zwiebeln, Ähren, einen Fischschwanz als Kinn. Dasselbe Werk liefert zweimal etwas anderes, je nachdem, ob man gerade hereinkommt oder schon sitzt.

Deshalb lohnt hier ein Format, das aus der Nähe standhält. Ein sehr kleines Werk verliert die Kleinteiligkeit, die den Reiz ausmacht.

Handgemalt oder maschinell, auf anderthalb Metern

Auf drei Metern sieht man den Unterschied kaum. Auf anderthalb Metern – also im Sitzen, bei Tisch – sieht man ihn sofort. Eine handgemalte Reproduktion trägt Farbe auf, die Struktur hat; das Licht einer tiefhängenden Lampe fängt sich in der Pinselspur und wandert mit dem Blick. Ein maschinell erzeugtes Blatt bleibt an derselben Stelle flach, weil dort nichts steht, worin sich Licht fangen könnte.

Genau am Esstisch ist diese Distanz die normale. Es ist der Ort, an dem der Unterschied nicht theoretisch bleibt.

Welches Werk in welchen Raum

Die Vier Jahreszeiten sind aus Pflanzlichem gebaut und gehören dorthin, wo gegessen wird. Die Vier Elemente – Tiere, Vögel, Fische – vertragen einen ruhigeren Raum: Flur, Arbeitszimmer, Treppenhaus. Der Bibliothekar, aus Büchern gebaut, gehört ins Arbeitszimmer oder an eine Regalwand.

Als Wanddekoration für das Esszimmer hängt eine Reihe aus vier Tafeln besonders schlüssig; wie man vier gleich große Leinwände anordnet und rechnet, steht im Beitrag über die Vier Jahreszeiten als Wandgruppe. Alle Werke des Malers finden Sie in der Galerie Giuseppe Arcimboldo.