Beschreibung
Bauer im blauen Kittel – die Leinwand, die ein Museum im Gedenken an seinen ersten Direktor kaufte
Der Mann sitzt leicht zur Seite gedreht, in einem weiten blauen Arbeitskittel, mit einem roten Halstuch am offenen Kragen und einem weichen braunen Hut auf dem Kopf. Die Hände hält er tief vor sich zusammen. Hinter ihm steht ein zusammenklappbarer Wandschirm, auf den eine Frauengestalt in Blau gemalt ist. Das handgemalte Gemälde auf Leinwand gibt diese späte Arbeit Cézannes von etwa 1897 wieder, die im Original 81,5 × 64,8 Zentimeter misst und im Kimbell Art Museum in Fort Worth in Texas verwahrt wird.
Die Widmung, die im Museumseintrag steht
Bei dieser Leinwand endet die Besitzzeile nicht mit dem Namen des Museums. Sie lautet: Kimbell Art Museum, Fort Worth, dem Andenken an Richard F. Brown gewidmet. Brown war der erste Direktor des Kimbell; zuvor hatte er das Los Angeles County Museum of Art geleitet, und mit dem Architekten Louis I. Kahn arbeitete er am Entwurf des Museumsbaus, der als einer der schönsten des zwanzigsten Jahrhunderts gilt. Er starb im November 1979. Im Frühjahr darauf, am 13. Mai 1980, kaufte das Museum diese Leinwand aus der Versteigerung der Sammlung von Henry Ford II. und widmete sie seinem Andenken. Im Eintrag stehen beide Daten, die Widmung des Museums ist das dritte Faktum; den Schluss überlassen wir den Lesenden.
Das deutsche Jahr 1912
1912 war diese Leinwand innerhalb eines einzigen Jahres in drei deutschen Städten zu sehen, und jede nannte sie anders. Im April und Mai hing sie in Berlin bei Paul Cassirer als Nummer 8, als Sitzender Bauer, ausgeliehen von Vollard – und Cassirer kaufte sie aus dieser Ausstellung. Vom 25. Mai bis 30. September war sie in Köln in der großen internationalen Ausstellung des Sonderbundes als Nummer 146, dort unter dem Titel Bauer mit rotem Halstuch. Im Herbst desselben Jahres verzeichnet der Eintrag sie in Barmen, in der Sammlung Reber, mit einem Vorbehalt zur Identifizierung. Es folgten 1913 Darmstadt und wieder Berlin, wo sie Der Fuhrmann und Porträt eines Fuhrmanns hieß, und 1914 Dresden.
Dreizehn Besitzer und der Tag, an dem sie zum Händler zurückkam
Der erste bekannte Besitzer war Ambroise Vollard in Paris. Am 25. Juni 1910 kaufte sie Auguste Pellerin; am 30. Juni 1911 ging sie an die Galerie Bernheim-Jeune – und am selben Tag zurück an Vollard, also an den Händler, der sie verkauft hatte. Am 31. Oktober 1912 übernahm sie Paul Cassirer in Berlin, danach Gottlieb Friedrich Reber in Barmen, dann Paul Rosenberg in Paris und New York, der Sammler A. Conger Goodyear, Frau Mary G. Kenefick aus Buffalo und später Henry Ford II. aus Detroit. Derselbe Auguste Pellerin erscheint auch beim Bildnis von Gustave Geffroy und beim Bildnis von Antony Valabrègue.
Zwei Auktionshäuser
Zweimal ging die Leinwand durch einen Auktionssaal, und beide Male hat der Eintrag Datum und Nummer bewahrt. Zuerst bei Sotheby’s in London am 25. November 1959 als Nummer 17, dann bei Christie’s in New York am 13. Mai 1980 als Nummer 3, bei der Versteigerung der Sammlung Henry Ford II. Bei dieser zweiten Auktion kaufte das Kimbell sie. Zuschlagspreise nennt der Katalog nicht; die einzige verzeichnete Summe zu diesem Werk stammt von Vollard.
Der Wandschirm und die Frau, die nicht im Zimmer ist
Hinter dem sitzenden Mann steht keine zweite Person, so sehr es auch danach aussieht. Rechts oben ist eine Frauengestalt in Blau mit einer gelben Form darüber zu sehen: Sie ist auf den zusammenklappbaren Wandschirm gemalt, der hinter ihm steht, und der Katalog führt unter den Einrichtungsstücken genau diesen Wandschirm. Der helle senkrechte Streifen links ist dessen Kante. Daraus folgt, dass in der Leinwand keine Zimmertiefe liegt, sondern eine gemusterte Fläche dicht hinter dem Rücken: Das Blau des Kittels trifft auf das Blau des Wandschirms, und die Gestalt hebt sich fast nur durch die Zeichnung von Hut und Schultern vom Grund ab.
Was Vollard in sein Buch schrieb
In Vollards Lagerbuch trägt diese Leinwand die Nummer 3485, daneben eine kurze Beschreibung in der Kurzschrift des Händlers: huile; paysan assis cravate rouge chapeau sur la tête – Öl; sitzender Bauer, rote Krawatte, Hut auf dem Kopf. Daneben stehen das Maß 81 × 65 Zentimeter und der Preis von 200 Franc. Die Beschreibung trifft zu, bis in die Einzelheiten. Im Personenfeld nennt der Katalog auch den Namen des Dargestellten, père Alexandre, und seinen Beruf, Arbeiter; mehr ist über ihn in keiner der eingesehenen Quellen verzeichnet, und wir erfinden nichts dazu.
Der blaue Kittel und das rote Halstuch geben dem Werk ein Farbpaar, das im Raum von nichts gestützt werden muss – darum wirkt es an einer ruhigen Wand für sich allein. Wir malen es in fünfzehn Formaten, von 40 × 50 bis 143 × 180 Zentimetern, Zwischenmaße spannen wir auf einen Keilrahmen nach Maß, und wie es an der Wand aussieht, zeigt vorab unsere 3D-Anwendung. Aus denselben späten Jahren stammt auch Junge Italienerin am Tisch.
- Motiv: Bauer im blauen Kittel, Paul Cézanne, um 1897, Kimbell Art Museum, Fort Worth
- Technik: handgemaltes Gemälde, Öl auf Leinwand, Reproduktion
- Größen: 15 Formate, auf Wunsch auch Sondergröße nach Maß
- Wissenswertes: Vollards Lagerbuch nennt unter Nummer 3485 den Preis von 200 Franc und eine Beschreibung, die bis zum roten Halstuch stimmt









































