Beschreibung
Der Steinbruch von Bibémus – die Leinwand, die das Museum verließ und zurückkam
Die Leinwand ist fast vollständig mit Stein gefüllt. Die steilen rotorangen Wände des Steinbruchs sind in flache Flächen geschnitten, die übereinander aufsteigen wie Mauern; zwischen ihnen und über ihnen stehen dunkelgrüne Kiefern und niedriges Gesträuch. Oben bleibt nur ein schmaler Streifen blauen Himmels. Einen Horizont gibt es nicht – der Blick kommt aus der Grube nicht heraus. Das handgemalte Gemälde auf Leinwand gibt diese Arbeit Cézannes von etwa 1895 wieder, die im Original 65 × 81 Zentimeter misst und im Museum Folkwang in Essen unter der Nummer G 342 verwahrt wird.
Fortgegangen und 1964 zurückgekehrt
Die Provenienz dieser Leinwand endet ungewöhnlich: bei demselben Museum, bei dem sie einst schon einmal begonnen hatte. Das Werk gehörte Karl Ernst Osthaus in Hagen und danach dem Museum Folkwang in Hagen. Später finden wir es bei Siegfried Kramarsky in New York, 1964 bei Walter Feilchenfeldt in Zürich, und im selben Jahr übernimmt es wieder das Museum Folkwang – diesmal in Essen. Das Museum hatte die Leinwand also, verlor sie und kaufte sie nach Jahrzehnten zurück, in einer anderen Stadt als beim ersten Mal. Warum sie fortging, ist im eingesehenen Eintrag nicht vermerkt, und wir ergänzen es nicht; vermerkt sind nur der Weg und das Jahr der Rückkehr.
Von Vollard zum Baron und zurück
Vor Hagen gehörte die Leinwand dem Händler Ambroise Vollard in Paris, dann Baron Denys Cochin, ebenfalls in Paris, und am 20. Oktober 1904 wieder Vollard. Der Händler kommt in dieser Kette zweimal vor, was heißt, dass er das Werk einmal verkaufte und später zurückkaufte – genau wie es das Museum später tat. Erst von Vollard aus ging die Leinwand nach Deutschland, zu Osthaus, der zu den ersten deutschen Sammlern französischer moderner Malerei gehörte.
Sechs Leinwände mit demselben Ort im Titel
Der Steinbruch von Bibémus kommt im Werkkatalog nicht einmal vor, sondern mehrmals. Unter dem Titel La Carrière de Bibémus sind gleich vier verschiedene Leinwände verzeichnet: diese, 65 × 81 Zentimeter, in Essen; eine mit 92 × 73 Zentimetern in der Barnes Foundation in Philadelphia; eine mit 65 × 54 Zentimetern in Privatbesitz; und eine mit 65 × 54 Zentimetern im Nelson-Atkins Museum of Art in Kansas City. Daneben führt der Katalog noch Dans la carrière de Bibémus und ein Werk mit dem Titel Bibémus in der Barnes Foundation. Gerade wegen dieser Menge ist bei diesem Motiv das einzige verlässliche Erkennungszeichen die Inventarnummer des Museums und nicht das Seitenverhältnis.
Stein, gemalt wie Mauerwerk
Die Farbe ist in breiten, flachen Flächen aufgetragen, die sich nicht miteinander mischen: Jede Wand des Steinbruchs ist aus wenigen Zügen gebaut, einer neben den anderen gesetzt, und gerade darum liest sich der Fels als Mauerwerk und nicht als natürlicher Bruch. Rot und Orange stehen hier fast gleichwertig neben dem Grün; dazwischen liegt keine Übergangsfarbe, sondern sie stoßen unmittelbar aneinander, was dem Werk Härte gibt. Die Kiefern sind nicht als Kronen gemalt, sondern als dunkle Massen, welche die Lücken zwischen den Wänden schließen. Weil es weder Himmel noch Horizont gibt außer dem schmalen Streifen oben, spielt sich die ganze Tiefe des Werks in wenigen Metern vor dem Betrachter ab.
Hagen, Paris, New York
Im Juli 1912 war die Leinwand im Museum Folkwang in Hagen als Nummer 114 ausgestellt. Im März und April 1939 war sie in Paris im Grand Palais in der fünfzigsten Ausstellung der Société des artistes indépendants, dem hundertsten Geburtsjahr des Malers gewidmet – und dort erschien sie hors catalogue, außerhalb des Katalogs. 1948 zeigte sie in New York die Galerie Wildenstein unter dem Titel Six Masters of Post-Impressionism als Nummer 10, verliehen von Kramarsky; 1952 war sie im Art Institute of Chicago als Nummer 107 und danach im Metropolitan, 1958 erneut im Metropolitan.
Was Vollard neben die Nummer 3987 schrieb
In Vollards Lagerbuch trägt diese Leinwand die Nummer 3987, daneben eine Beschreibung von genau sieben Wörtern: huile; rocher rouge avec quelques arbres verts – Öl; roter Fels mit einigen grünen Bäumen. Daneben stehen das Maß 64 × 79 Zentimeter und der Preis von 200 Franc. Die Beschreibung ist knapp, aber genau: Auf der Leinwand steht wirklich nichts anderes. Auch der Katalog selbst nennt unter den Naturmotiven für dieses Werk ein einziges Stichwort, Felsen.
Das ist eine Leinwand mit starker, warmer Farbe und geschlossenem Aufbau, und darum wirkt sie an einer Wand, der Gewicht fehlt – etwa gegenüber einem Fenster oder in einem Raum mit hellen Möbeln. Fünfzehn Maße sind verfügbar, von 50 × 40 bis 180 × 145 Zentimetern, Zwischengrößen fertigen wir nach Maß, und wie es im gewählten Rahmen wirkt, zeigt vorab unsere 3D-Anwendung. Aus derselben Landschaft stammen auch Der Berg Sainte-Victoire, von Bibémus aus gesehen, Der Berg Sainte-Victoire und Château Noir und Der Golf von Marseille, von L’Estaque aus gesehen.
- Motiv: Der Steinbruch von Bibémus, Paul Cézanne, um 1895, Museum Folkwang, Essen
- Technik: handgemaltes Gemälde, Öl auf Leinwand, Reproduktion
- Größen: 15 Formate, auf Wunsch auch Sondergröße nach Maß
- Wissenswertes: das Museum Folkwang besaß die Leinwand schon in Hagen, hatte sie dann nicht mehr in der Sammlung und kaufte sie 1964 zurück – in Essen









































