Beschreibung
Eine moderne Olympia – die Leinwand, die ihr Besitzer ein zweites Mal malte
Auf weißem Tuch in der Mitte der Leinwand liegt ein weiblicher Akt, und darüber schlägt eine Dienerin mit erhobenem Arm den Stoff zurück. Unten rechts sitzt ein bärtiger Mann im dunklen Mantel; neben ihm steht auf der Stufe ein Zylinder, vor ihm ein kleiner schwarzer Hund. Links steht ein roter Tisch mit Früchten und einer gläsernen Karaffe, oben rechts eine blaugraue Vase mit Blumen, und am linken Rand fällt ein schwerer rosafarbener Vorhang. Das handgemalte Gemälde auf Leinwand gibt diese Arbeit Cézannes von 1873–74 wieder, die im Original 46 × 55 Zentimeter misst und unter der Inventarnummer RF 1951 31 im Musée d’Orsay in Paris verwahrt wird.
Der Besitzer, der sein eigenes Werk noch einmal malte
Die Leinwand gehörte jahrzehntelang dem Arzt Paul Gachet aus Auvers-sur-Oise – und Gachet kopierte sie selbst. Er malte unter dem Künstlernamen Paul van Ryssel und schuf nach dieser Leinwand eine eigene Ölkopie sowie eine Zeichnung in Feder und Tusche. Eine weitere Kopie, ein Aquarell, und dazu eine Kaltnadelradierung stammen von Blanche Derousse. 1999 brachte eine Ausstellung im Pariser Grand Palais das Original und diese Kopien zusammen: der Katalog druckte sie auf den Seiten 36 bis 43 nebeneinander ab, mit einem technischen Vergleich. Dieselbe Arbeit existiert also von fünf Händen in vier Techniken, und das Original war dort unter der Nummer 1 verzeichnet.
Wer Doktor Gachet war
Die Ausstellung von 1999 trug seinen Namen: Un ami de Cézanne et de Van Gogh: le docteur Gachet – ein Freund Cézannes und Van Goghs, Doktor Gachet. Sie lief im Grand Palais vom 28. Januar bis 26. April 1999, wanderte dann an das Metropolitan Museum of Art in New York, wo sie vom 25. Mai bis 15. August 1999 Cézanne to Van Gogh: The Collection of Doctor Gachet hieß, und vom 24. September bis 5. Dezember 1999 an das Van Gogh Museum in Amsterdam. Nach dem Tod des Arztes ging die Leinwand an den Sohn, Paul Gachet junior.
Die Nummer 43 im Katalog von 1874
Vom 15. April bis 15. Mai 1874 fand im Fotoatelier Nadars, 35, boulevard des Capucines in Paris, die Première exposition de la Société anonyme des artistes peintres, sculpteurs, graveurs statt. Diese Leinwand stand dort unter der Nummer 43, mit dem Zusatz Esquisse, also Skizze, verliehen von Doktor Gachet. Unter der vorhergehenden Nummer 42 hing Das Haus des Gehängten in Auvers-sur-Oise, verliehen vom Maler selbst. Hundertfünfzig Jahre später kehrte die Arbeit in diese Ausstellung zurück: unter der Nummer 80 war sie in Paris 1874: Inventer l’impressionnisme im Musée d’Orsay vom 26. März bis 14. Juli 2024 und danach in der National Gallery of Art in Washington vom 8. September 2024 bis 20. Januar 2025.
Zwei Notizen der Pariser Presse, beide von 1874
Zwei Blätter kamen innerhalb von zwei Wochen auf die Ausstellung zu sprechen. Louis Leroy veröffentlichte am 25. April 1874 im satirischen Blatt Le Charivari einen Text mit dem Titel L’exposition des impressionnistes; auf Spalte und Seite 80 ist die Arbeit als Moderne Olympia aufgeführt. Marc de Montifaud veröffentlichte am 1. Mai 1874 in der Zeitschrift L’Artiste den Text Exposition du boulevard des Capucines; dort ist dieselbe Leinwand auf Seite 310 als L’Olympia genannt. Der Eintrag, der uns vorliegt, gibt Verfasser, Titel, Blatt, Datum, Seite und den Namen, unter dem die Arbeit erscheint – er sagt aber nicht, was jeder über sie geschrieben hat, und wir ergänzen es nicht. Die Namen sind auf neun angewachsen: Ambroise Vollard veröffentlichte sie 1914 als La Nouvelle Olympia und 1921 als Die neue Olympia.
Siebenundsiebzig Jahre bei einer Familie
Die Provenienz ist kurz und ungewöhnlich ruhig. Der Katalog nennt Doktor Paul Gachet in Auvers-sur-Oise, dann seinen Sohn Paul Gachet junior und 1951 das Musée du Louvre in Paris mit dem Vermerk Geschenk von Paul Gachet. Von 1951 bis 1986 stand die Leinwand in der Galerie du Jeu de Paume des Louvre, und 1986 ging sie an das Musée d’Orsay. In dieser ganzen Kette kommt kein einziger Händler und keine einzige Auktion vor: vom Atelier des Malers an den Staat gelangte die Arbeit durch eine einzige Familie und als Geschenk.
Wen der Katalog zu den dargestellten Personen zählt
Das Schlagwortverzeichnis ist bei dieser Leinwand ausnahmsweise reich und führt fünf Einträge. Unter den Stillleben-Gegenständen nennt es die Vase, unter den Figurenkompositionen das Stillleben in der Figurenkomposition, unter den historischen und allegorischen Motiven die Olympia und unter den Tieren den Hund. Der fünfte Eintrag ist der merkwürdigste: unter den Personen steht Cezanne (in Figurenkomposition). Das Register des Katalogs sagt also, dass der bärtige Mann, der unten rechts sitzt und der Szene zusieht, der Maler selbst ist.
Es ist eine warme, auf Rosa und Grün gestimmte, bewegte Arbeit, die Tageslicht und größere Wände gut verträgt. Wir malen sie in fünfzehn Größen, von 50 × 41 bis 180 × 149 Zentimeter, Zwischenmaße spannen wir auf einen Keilrahmen nach Maß, und wie es an der Wand aussehen wird, zeigt vorab unsere 3D-Anwendung. Aus Auvers stammt auch Die Straßenbiegung in Auvers-sur-Oise, und zu den frühen Figurenkompositionen gehört Der Mord.
- Motiv: Eine moderne Olympia, Paul Cézanne, 1873–1874, Musée d’Orsay, Paris
- Technik: handgemaltes Gemälde, Öl auf Leinwand, Reproduktion
- Größen: 15 Formate, auf Wunsch auch Sondermaß
- Wissenswert: der Besitzer der Leinwand, der Arzt Paul Gachet, fertigte unter dem Künstlernamen Paul van Ryssel eine eigene Kopie an, und 1999 druckte ein Katalog Original und Kopien nebeneinander mit einem technischen Vergleich









































