Beschreibung
Die Straßenbiegung in Auvers-sur-Oise – die Leinwand, die jahrzehntelang unter dem Namen der falschen Landschaft ausgestellt wurde
Ein blass ockerfarbener Weg kommt aus der unteren linken Ecke, biegt nach rechts und verschwindet hinter einer niedrigen Steinmauer. Hinter der Mauer erheben sich Bauernhäuser mit grauen und bräunlichen Dächern, und ringsum stehen Bäume in Grün, Oliv und Braun. Himmel gibt es nur wenig über den Dächern. Das handgemalte Gemälde auf Leinwand gibt diese Arbeit Cézannes von etwa 1881 wieder, die im Original 60 × 73 Zentimeter misst und im Museum of Fine Arts in Boston unter der Inventarnummer 48.525 verwahrt wird.
Vier amerikanische Ausstellungen, ein einziger falscher Titel
Im Januar 1928 war die Leinwand in New York bei Wildenstein in der Ausstellung Paul Cézanne als Nummer 14 zu sehen, verliehen vom Bostoner Sammler John T. Spaulding. Im März und April 1929 war sie im Fogg Art Museum in Cambridge bei Boston als Nummer 5 mit Tafel XXIII, und von Juni bis November 1934 im Art Institute of Chicago in der Ausstellung A Century of Progress als Nummer 292. Dazwischen wurde sie zweimal auch im Museum of Fine Arts in Boston gezeigt, 1929 und 1931-1932. Jedes Mal verlieh sie Spaulding – und jedes Mal stand im Katalog derselbe, falsche Ortsname.
Aix oder Auvers
Die Titel, unter denen die Leinwand durch Amerika reiste, lauteten Environs d’Aix, Environs d’Aix-en-Provence und Environs of Aix – Umgebung von Aix. Der gemalte Ort ist aber nicht Aix. Der Werkkatalog nennt unter den Orten Auvers-sur-Oise und Valhermeil, beide in Nordfrankreich, nordwestlich von Paris; Aix liegt in der Provence, gut siebenhundert Kilometer weiter südlich. Der Titel hatte also nicht das Dorf verfehlt, sondern das Ende des Landes. Erst der vollständige Titel, den der Katalog heute führt – La Route tournante (rue des Roches au Valhermeil, Auvers-sur-Oise) – nennt sogar die Straße.
Neun Besitzer, zwei mit Fragezeichen
Die Provenienz beginnt mit einem Namen in Klammern und einem Fragezeichen: (Julien-François Tanguy, Paris?). Sicher gehörte die Leinwand dem Kritiker und Sammler Théodore Duret in Paris; bei der Versteigerung seiner Sammlung in der Galerie G. Petit am 19. März 1894 war das Werk Nummer 3. Es folgen der Maler Paul-César Helleu, wieder mit Fragezeichen Ambroise Vollard, dann Claude Monet, der sie am 10. Mai 1907 erwarb, und nach ihm sein Sohn Michel Monet in Giverny. Später hatten sie Paul Rosenberg, die Wildenstein-Galerien in New York und ab 1927 John T. Spaulding in Boston, dessen Vermächtnis sie 1948 an das Museum of Fine Arts brachte.
Die Auktion von 1894
Die Versteigerung der Sammlung Duret am 19. März 1894 ist in der ganzen Provenienz der einzige genau datierte Übergang mit einer Losnummer: Die Leinwand war dort die dritte. Duret war Schriftsteller und Fürsprecher der Impressionisten, und seine Versteigerung war eines jener Ereignisse, nach denen Werke aus dem Kreis wohlgesinnter Schreiber sich unter Sammlern verteilten. Den Käufer nennt der Eintrag nicht; der nächste Name in der Kette ist Helleu.
Ein Weg, den man nicht gehen kann
Der Aufbau ist einfach und ungewöhnlich zugleich. Der Weg biegt ab und verschwindet hinter der Mauer – der Betrachter sieht nicht, wohin er führt, und kann ihm mit dem Blick nicht folgen. Die Mauer ist als ein einziges helles Band gemalt, die Häuser dahinter als Blöcke, einer neben den anderen gesetzt, ohne perspektivische Verkleinerung. Die Bäume sind nicht als einzelne Kronen gemalt, sondern als dichte Massen, die den Raum über den Häusern schließen. Darum wirkt das Werk geschlossen: Es enthält keine Aussicht, sondern nur ein Stück Dorfweg und das, was ihn umgibt.
Die Biegung als Stichwort
Unter den Motiven führt der Katalog für diese Leinwand nicht nur Häuser, Weg und Mauer, sondern eigens auch die route tournante, die sich wendende Straße, als selbständiges Stichwort. Das ist kein Zufall: Dasselbe Motiv steht im Titel mehrerer Arbeiten Cézannes, und der Katalog führt es als wiederkehrendes Thema. Darunter ist auch eine Leinwand gleichen Maßes, 60 × 73 Zentimeter, die ebenfalls in Boston ist, aber in einer anderen Sammlung – weshalb bei diesem Motiv das Seitenverhältnis nichts aussagt und erst die Inventarnummer des Museums unterscheidet.
Die ruhige grün-ockerfarbene Skala macht diese Leinwand für ein Wohn- oder Esszimmer geeignet, wo das Werk nicht schreien soll. Erhältlich ist das Werk in fünfzehn Formaten, von 50 × 41 bis 180 × 149 Zentimetern, alle Maße in Zentimetern; Zwischenmaße spannen wir auf einen Keilrahmen nach Maß, und die Wirkung des gewählten Rahmens zeigt vorab unsere 3D-Anwendung. Aus demselben Dorf stammt Das Haus des Gehängten in Auvers-sur-Oise, aus dem Süden Das Dorf Gardanne und Der rote Felsen.
- Motiv: Die Straßenbiegung in Auvers-sur-Oise, Paul Cézanne, um 1881, Museum of Fine Arts, Boston
- Technik: handgemaltes Gemälde, Öl auf Leinwand, Reproduktion
- Größen: 15 Formate, auf Wunsch auch Sondergröße nach Maß
- Wissenswertes: zwischen 1928 und 1934 wurde die Leinwand in Amerika dreimal als Umgebung von Aix ausgestellt, obwohl sie Auvers-sur-Oise in Nordfrankreich zeigt









































