Beschreibung
Sitzender Mann – was er in der Hand hält, und warum der Eintrag sich darüber uneins ist
Ein grauhaariger Mann mit grauem Schnurrbart sitzt frontal zum Betrachter, in dunkler Jacke, weißem Hemd und schwarzer Schleife. Beide Hände liegen auf den Knien; unter der linken Hand liegt ein gefaltetes weißes Blatt mit Druck. Links hinter ihm steht eine Holztruhe, über deren Rand ein weißes Tuch hängt, rechts fällt ein geblümter Vorhang mit blauem und braunem Blattwerk, und dazwischen steht eine ziegelrote Wand. Das handgemalte Gemälde auf Leinwand gibt diese späte Arbeit Cézannes von 1898 bis 1900 wieder, die im Original 102,5 × 75,5 Zentimeter misst und im Nasjonalgalleriet in Oslo unter der Nummer NG.M.01287 verwahrt wird.
Zeitung oder Buch
Der Werkkatalog führt für diese Leinwand neun Titel, und vier davon sprechen über denselben Gegenstand, ohne sich einig zu werden. L’homme au journal heißt der Mann mit der Zeitung, Bauer, Zeitung lesend sagt es noch deutlicher, Lesender Mann sagt nur, dass er liest, und Sitzender Mann mit Buch spricht von einem Buch. Der Händler Ambroise Vollard, der die Leinwand in seinem Laden hatte, notierte in sein Buch un journal, eine Zeitung. Auf der Leinwand liegt der Gegenstand flach über dem linken Knie, in der Mitte gefaltet, ohne Deckel, ohne Rücken und ohne Blockseiten. Was es war, sagt der Eintrag auf zweierlei Weise; gemalt ist ein gefaltetes Blatt, kein gebundenes.
Ein Zimmer, das sich aufzählen ließ
Hinter dem sitzenden Mann liegt keine Leere, sondern eine genau geordnete Ecke. Links die Holztruhe, die der Katalog unter den Einrichtungsstücken als coffre verzeichnet, mit einem weißen Tuch darüber. Rechts der Vorhang mit Blumenmuster, den der Katalog gleich unter drei Stichworten führt: Vorhang, Stoff mit blauem und braunem Blattwerk, geblümtes Gewebe. Die Wand dazwischen ist ziegelrot. Genau dieses Rot hält das Werk zusammen: Die graublaue Jacke prallt davon ab, und die Hände bleiben die einzigen warmen, hellen Flächen der unteren Hälfte. Der Mann zeigt nichts und tut nichts – er sitzt aufrecht, die Hände auf den Knien, wie jemand sitzt, den man gebeten hat, sich zu setzen.
Von Odilon Redon nach Oslo
Der erste bekannte Besitzer dieser Leinwand war der Maler Odilon Redon in Paris. Nach ihm hatte sie der Händler Ambroise Vollard, dann der Florentiner und Pariser Sammler Egisto Fabbri, und am 31. Mai 1912 übernahm sie Paul Cassirer in Berlin. Von Cassirer kam sie zurück an Vollard – der in dieser Kette zweimal vorkommt – und im März 1918 gelangte sie nach Oslo. Sechs Besitzer in gut zwei Jahrzehnten, und der erste davon war ein Mann, der selbst malte.
Geschenk der Freunde der Galerie, März 1918
Der Museumseintrag zu diesem Werk nennt nicht nur den Ort, sondern auch den Weg dorthin: Geschenk der Freunde der Nationalgalerie, 1918. Die Leinwand wurde also nicht aus dem Etat des Hauses gekauft, sondern von dem Verein geschenkt, der es unterstützt. Bemerkenswert ist, dass man sie in der Stadt schon vier Jahre früher gesehen hatte: Im Herbst 1914 hing sie in eben dieser Galerie in der Ausstellung Fransk Kunst, als Leihgabe Vollards. Die Stadt hieß damals Kristiania – erst 1925 wurde sie Oslo genannt. Beides steht im Eintrag, eines nach dem anderen.
Fünf Städte vor Oslo
Bevor die Leinwand im Norden blieb, war sie einige Jahre unterwegs. Im April und Mai 1912 hing sie in Berlin bei Paul Cassirer als Nummer 7, als Lesender Mann, ausgeliehen von Vollard; vom 25. Mai bis 30. September desselben Jahres war sie in Köln in der Ausstellung des Sonderbundes als Nummer 142, dort unter dem Titel Sitzender Mann mit Buch – in denselben beiden Ausstellungen war damals auch Bauer im blauen Kittel zu sehen. 1914 folgten Kopenhagen als Nummer 24 und danach Kristiania, im Frühjahr 1917 Stockholm als Nummer 3, wo der Eintrag sie mit einem Vorbehalt zur Identifizierung führt. 1936 war sie in der Pariser Orangerie als Nummer 89, 1952 in Chicago.
Was Vollard neben der Nummer 3868 schrieb
In Vollards Lagerbuch trägt diese Leinwand die Nummer 3868, daneben eine Beschreibung, die das Zimmer Stück für Stück abgeht: huile; portrait d’homme tenant un journal à la main assis et les deux mains sur ses genoux un buffet fond rideaux – Öl; Bildnis eines Mannes, der eine Zeitung in der Hand hält, sitzend, beide Hände auf den Knien, ein Buffet, im Hintergrund Vorhänge. Daneben stehen das Maß 104 × 76 Zentimeter und der Preis von 200 Franc. Alles, was der Händler aufzählte, ist auf der Leinwand: die Hände auf den Knien, die Truhe, die Vorhänge. Im Personenfeld gibt der Katalog dem Sitzenden keinen Namen – vermerkt ist nur, dass er nicht bekannt ist.
Dieses Werk hat eine ungewöhnlich ruhige Schwere: ein einzelner sitzender Mensch, zwei Farben aus Wand und Stoff, kein Geschehen. Darum steht es gut in einem Raum, in dem man sich länger aufhält – im Esszimmer, in der Bibliothek, im Empfangsraum. Wir malen es in fünfzehn Formaten, von 41 × 55 bis 133 × 180 Zentimetern, Zwischenmaße spannen wir auf einen Keilrahmen nach Maß, und wie es an der Wand wirkt, zeigt vorab unsere 3D-Anwendung. Zu den späten Bildnissen gehören auch das Bildnis von Gustave Geffroy und Frau mit Kaffeekanne.
- Motiv: Sitzender Mann, Paul Cézanne, 1898-1900, Nasjonalgalleriet, Oslo
- Technik: handgemaltes Gemälde, Öl auf Leinwand, Reproduktion
- Größen: 15 Formate, auf Wunsch auch Sondergröße nach Maß
- Wissenswertes: die Titel der Leinwand sprechen einmal von einer Zeitung und einmal von einem Buch, gemalt ist ein gefaltetes Blatt









































