Gauguins bekannteste Leinwände sind über Museen in Paris, New York, Boston, Brüssel, Buffalo, Philadelphia, London und Washington verstreut. Dieser Überblick hält bei neun der meistgesuchten Werke an: was sie zeigen, wo sie hängen, warum sie zählen und worauf sich bei ihnen zu schauen lohnt. Für Leben und Technik gibt es einen eigenen Artikel; hier geht es um die Gemälde selbst.
Arearea, 1892 – Musée d’Orsay, Paris
Der Titel ist tahitianisch und bedeutet Freude oder Vergnügen; das Werk ist auch als Der rote Hund bekannt. Im Vordergrund sitzen zwei Frauen, ein Baumstamm schneidet durch die Leinwand, und weiter unten läuft ein roter Hund vorbei. Der Himmel ist verschwunden: Den Raum bauen aufeinanderfolgende Farbflächen – grün, gelb, rot.
Worauf zu schauen ist: genau auf diesen Hund. Er ist nicht braun und nicht grau, denn die Farbe eines Hundes interessierte Gauguin nicht als Auskunft. Gerade diese Willkür der Farbe begeisterte später die Fauves. Arearea in unserem Angebot.
Ia Orana Maria, 1891 – Metropolitan Museum of Art, New York
Der tahitianische Titel entspricht dem Gruß Gegrüßet seist du, Maria. Gauguin verlegte die christliche Szene nach Tahiti: Maria und Jesus sind Tahitianer, im roten Pareu und barfuß, und neben ihnen stehen zwei einheimische Frauen in anbetender Haltung. Das Gemälde befindet sich im Metropolitan unter der Inventarnummer 51.112.2, Vermächtnis von Sam A. Lewisohn aus dem Jahr 1951.
Worauf zu schauen ist: auf die Heiligenscheine. Sie sind da, dünn und golden, über den Köpfen von Figuren, die die europäische Ikonografie nie so dargestellt hatte. Das ist der ganze Sinn des Gemäldes in einer Einzelheit. Ia Orana Maria in unserem Angebot.
Manao tupapau, 1892 – Buffalo AKG Art Museum
Der deutsche Untertitel Der Geist der Toten wacht übersetzt den tahitianischen Titel. Auf dem Bett liegt eine junge Frau auf dem Bauch und blickt über die Schulter zurück; am Fußende steht eine dunkle, verhüllte Gestalt – der Tupapau, der Totengeist des tahitianischen Glaubens. Modell stand Tehamana.
Worauf zu schauen ist: auf die Blickrichtung. Die Frau sieht den Geist nicht an, sondern von ihm weg, hin zu dem, der das Gemälde betrachtet. Die Angst ist als gewendeter Kopf gemalt, nicht als Gesichtsausdruck. Manao tupapau in unserem Angebot.
Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?, 1897–1898 – Museum of Fine Arts, Boston
Gauguins ehrgeizigste Leinwand, auf Tahiti entstanden, während er krank und mittellos war. Sie liest sich von rechts nach links: ein Säugling, Erwachsene in den besten Jahren, eine Greisin am linken Rand. Dazwischen steht ein bläulicher Götze.
Worauf zu schauen ist: darauf, dass die Fragen des Titels nicht als Allegorie mit beigefügten Antworten gemalt sind. Niemand in der Szene erklärt jemandem etwas. Das Gemälde stellt die Frage und lässt sie offen. Woher kommen wir? in unserem Angebot.
Nevermore, 1897 – Courtauld Gallery, London
Auf einem Bett liegt eine Tahitianerin, im Hintergrund unterhalten sich zwei Gestalten, und auf dem Fensterbrett hockt ein Vogel. Den Titel schrieb Gauguin auf Englisch, unmittelbar auf die Leinwand.
Worauf zu schauen ist: auf den Vogel und auf den Schriftzug. Die Verbindung zu Poes Der Rabe wird oft genannt; ob sie beabsichtigt war, entscheiden wir hier nicht. Der Vogel ist jedenfalls da, und der Titel ist jedenfalls englisch. Nevermore in unserem Angebot.
Parahi te marae, 1892 – Philadelphia Museum of Art
Ein Marae ist ein tahitianischer heiliger Bezirk. Der Titel bedeutet ungefähr dort steht der Tempel, und das Museum führt das Werk auch als Der heilige Berg. Die Szene besteht aus einem Zaun mit Zierköpfen, aus blühenden Hängen und einem Berg im Hintergrund.
Worauf zu schauen ist: darauf, dass es diesen Ort nicht gibt. Das Museum selbst gibt an, dass die Szene kein wirkliches Heiligtum ist, sondern eine Erfindung Gauguins. Das Gemälde ist damit ein Zeugnis dafür, wie er sich Tahiti vorstellte, und nicht dafür, wie Tahiti aussah. Parahi te marae in unserem Angebot.
Der gelbe Christus, 1889 – Buffalo AKG Art Museum
Bretonische Frauen mit weißen Hauben knien am Fuß eines Kreuzes mitten in einem herbstlichen Feld. Der Christus ist gelb, das Feld ist gelb, die Bäume sind braunorange.
Worauf zu schauen ist: das Kreuz ist nicht erfunden. Die zentrale Figur stützt sich auf ein bemaltes hölzernes Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert, das in der Kapelle Trémalo bei Pont-Aven hängt. Gauguin nahm eine vorhandene volkstümliche Schnitzerei und stellte sie in die Landschaft, als geschähe die Szene jetzt. Der gelbe Christus in unserem Angebot.
Der grüne Christus, 1889 – Königliche Museen der Schönen Künste Belgiens, Brüssel
Gemalt im November 1889 in Pont-Aven, im selben Herbst wie Der gelbe Christus. Eine Bretonin in traditioneller Tracht kniet am Fuß eines Kalvarienbergs – eines steinernen Kreuzes mit einem grünlichen Christus – und hält ein schwarzes Lamm in der Hand.
Worauf zu schauen ist: auf das Lamm und auf die Farbe des Steins. Das Grün ist keine Lichtwirkung, sondern eine Entscheidung: Das steinerne Kreuz ist so gefärbt, als gehörte es zur Landschaft, und nicht, als wäre es ein Denkmal darin. Der grüne Christus in unserem Angebot.
Tanzende bretonische Mädchen, Pont-Aven, 1888 – National Gallery of Art, Washington
Drei Mädchen in bretonischer Tracht tanzen im Kreis auf einer Wiese, dahinter die Häuser und der Kirchturm von Pont-Aven. Das Werk gehört zu Gauguins erster bretonischer Zeit.
Worauf zu schauen ist: auf die Hauben. Sie sind als weiße Flächen mit einem Umriss gemalt, fast wie Papierausschnitte – hier sieht man bereits, was einige Jahre später auf Tahiti seine ganze Sprache werden sollte. Tanzende bretonische Mädchen in unserem Angebot.
Häufige Fragen
Was bedeutet Arearea?
Arearea ist ein tahitianisches Wort für Freude oder Vergnügen, und das Gemälde von 1892, auch als Der rote Hund bekannt, hängt im Musée d’Orsay in Paris.
Was bedeutet Ia Orana Maria?
Ia Orana Maria ist der tahitianische Gruß, der dem christlichen Gegrüßet seist du, Maria entspricht, und ist der Titel von Gauguins Gemälde von 1891 im Metropolitan Museum of Art in New York.
Was bedeutet Manao tupapau?
Manao tupapau bedeutet übersetzt der Geist der Toten wacht und verweist auf den Tupapau, den Totengeist des tahitianischen Glaubens, der auf dem Gemälde von 1892 am Fußende des Bettes steht.
Was bedeutet Parahi te marae?
Parahi te marae bedeutet ungefähr dort steht der Tempel, wobei ein Marae ein tahitianischer heiliger Bezirk ist; das Philadelphia Museum of Art führt das Werk auch als Der heilige Berg.
Wo hängt Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?
Die Leinwand von 1897–1898 wird vom Museum of Fine Arts in Boston bewahrt und gilt als Gauguins ehrgeizigstes Werk.
Wo hängt Der gelbe Christus?
Der gelbe Christus von 1889 befindet sich im Buffalo AKG Art Museum in Buffalo im Bundesstaat New York, und seine zentrale Figur stützt sich auf ein hölzernes Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert in der Kapelle Trémalo bei Pont-Aven.
Warum hat Nevermore einen englischen Titel?
Gauguin schrieb den englischen Titel Nevermore unmittelbar auf die Leinwand von 1897, die von der Courtauld Gallery in London bewahrt wird; die Verbindung zu Poes Der Rabe wird oft genannt, lässt sich aber nicht als Tatsache behaupten.
Ist der Ort in Parahi te marae wirklich?
Nein: Das Philadelphia Museum of Art gibt an, dass die Szene kein wirkliches polynesisches Heiligtum ist, sondern eine Erfindung Gauguins.
Wer stand für Manao tupapau Modell?
Für das Gemälde Manao tupapau von 1892 stand Tehamana Modell, die während Gauguins erstem Aufenthalt auf der Insel für ihn arbeitete.
Alle Gemälde von Gauguin aus unserem Angebot finden Sie auf der Seite Paul Gauguin, und jedes davon ist ein handgemaltes Leinwandgemälde in Öl.

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